Was ist ein Bioenergiedorf?

Ein Bioenergiedorf ist ein Dorf, eine Gemeinde, eine Siedlung oder ein Ort, der einen Großteil seines Energiebedarfs aus lokaler Biomasse und anderen erneuerbaren Energien deckt. Forstwirtschaftliche und landwirtschaftliche Biomasse sowie Abfall und Reststoffe werden zur Gewinnung von Strom und Wärme verwendet. Basis der Energieproduktion und -versorgung sind üblicherweise eine Kombination unterschiedlicher Technologien, wie beispielsweise Scheitholz- oder Holzhackschnitzelkessel, Pelletheizungen, Biogasanlagen, Blockheizkraftwerke auf Holzhackschnitzelbasis u.a.  Die erzeugte Wärmenergie wird üblicherweise in ein lokales Nahwärmenetz eingespeist und versorgt damit die angeschlossenen Wärmeabnehmer (z.B. Haushalte, Öffentliche Gebäude und Gewerbetreibende). Begleitend zur Planung und Installation der Erneuerbaren Energie Technologien werden Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Energieeinsparung umgesetzt.

Ein Bioenergiedorf trägt somit nicht nur zur Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Strom- und Wärmeerzeugung, sowie zum Klima- und Umweltschutz bei, sondern es stärkt auch die lokale Wirtschaft, da ein Großteil der Ausgaben in der Region verbleibt.

Eine frühzeitige und umfassende Einbindung von Bürgern (Konsumenten) sowie weiterer relevanter Akteure ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Bioenergiedorfes. Idealerweise ist ein Großteil der Anlagen im Besitz der  Energiekunden und Biomasselieferanten. Die ersten Konzepte zur Entwicklung von Bioenergiedörfern wurden durch Bürgerinitiativen entwickelt, die zum Ziel hatten, den Energiesektor umweltfreundlicher zu gestalten. Initiativen wie in Jühnde in Deutschland, Güssing in Österreich und Samsø in Dänemark besitzen heute Leuchtturmcharakter und haben den Weg für die Entwicklung weiterer Bioenergiedörfer bereitet. In diesen drei Ländern existieren heute mehrere hundert Bioenergiedörfer.

Was sind die Ziele eines Bioenergiedorfes?

Bisher gibt es keine offizielle Definition eines Bioenergiedorfes und seiner Ziele. Allerdings wurden zentrale Charakteristika eines Bioenergiedorfes durch verschiedene Projekte und Netzwerke definiert. Demnach sind die Ziele eines Bioenergiedorfs:

  • Der Biomassebedarf zur Energieerzeugung wird lokal und nachhaltig produziert.
  • Es wird mindestens so viel Strom durch lokale Biomasse erzeugt, wie in dem Ort verbraucht wird.
  • Der Wärmebedarf wird überwiegend (min. 50%) durch lokal erzeugte Biomasse oder andere erneuerbare Energien gedeckt.
  • Die gewählten Geschäftsmodelle fördern die Beteiligung der Wärmeabnehmer, Landwirte und Forstwirte als Eigentümer der Anlagen.
  • Bei der Entwicklung eines Bioenergiedorfs werden die Bürger und alle relevanten Akteure von Beginn an umfassend beteiligt.